Cicero
Einleitung
Marcus Tullius Cicero gehört zu den herausragenden Gestalten der römischen Antike. Er war zugleich Staatsmann, Jurist, Philosoph, Schriftsteller sowie ein hervorragender Redner. Ich werde versuchen einen Überblick über den Verlauf seines Lebens und sein Schaffen als Politiker, Anwalt, Philosoph und Schriftsteller zu geben.

-Kindheit und Jugend-
Marcus Tullius Cicero wurde am 3.1.106 v.Chr in einem kleinen Landstädtchen Arpinum 100 km südöstlich von Rom geboren. Sein Vater gehörte dem römischen Ritterstand an. Seine Kindheit verbrachte Cicero in Arpinum. Als er alt genug war, ging sein Vater mit ihm und seinem vier Jahre jüngeren Bruder Quintus nach Rom, um ihnen dort eine gute Erziehung zu ermöglichen. Es mangelte ihnen dabei nicht an guten (verwandtschaftlichen) Verbindungen zu den Senatorenkreisen. Der Bruder Ciceros Großmutter, Graditus, war mit dem berühmten Redner Antonius befreundet. Die Schwester, Ciceros Mutter, war die Gemahlin des C.Visellius Acuelo, eines guten Rechtskenners, welcher wiederum mit dem Redner Crassus befreundet war. Antonius und Crassus hinterließen einen prägenden Eindruck bei Cicero. Crassus leitete seine Studien und wählte seine Lehrer(1), so lernte Cicero neben Rhetorik und Philosophie, seinen Hauptfächern, die griechische Sprache. In sämtlichen Biographien wird er als fleißiger und dankbarer Schüler dargestellt. Im Jahre 91 v.Chr starb Crassus, dieses Ereignis nahm den jungen Cicero sehr mit, denn Crassus war sein Betreuer in den ersten Jahren in Rom gewesen.
Bald darauf empfing Cicero aus den Händen seines Vaters die „toga virilis“, die Männertoga. Dieser feierliche Akt bezeichnete den Eintritt in die Erwachsenenwelt.
In den Jahren 90/89 v.Chr leistete Cicero seinen Dienst als Soldat im Bundesgenossenkrieg. Diesen hatten die Italiker 91 v.Chr entfesselt, da ihnen das römische Vollbürgerrecht verweigert wurde. Nach Verlusten auf beiden Seiten erreichten sie 89 v.Chr die Gleichstellung mit den Römern(2).
Kurze Zeit darauf trat Cicero 79 v. Chr. seine ersten Studienreisen nach Griechenland und Kleinasien an. Auf dieser Reise traf er Persönlichkeiten, die einen großen Eindruck auf ihn machten, so zum Beispiel der Philosoph Poseidonius. Rhetorik und Philosophie waren seine Studiengebiete auf dieser Reise. Von den Erfahrungen und Eindrücken, die er von der Reise mitbrachte, zehrte er sein Leben lang.

-Aufstieg in die Ämterlaufbahn-
Im Jahre 76/75 v. Chr. begann für Cicero der Aufstieg in die römischen Ämterlaufbahn. Er war einer von 20 Quästoren, welche z. T. als Finanz- und Verwaltungsbeamte und z. T. als Gehilfen des Statthalters mit diesem in die Provinz gingen. Cicero erhielt als Quästor des Propraetors Peducaeus den Westteil der Provinz Sizilien zugewiesen(3). Er führte sein Amt mit einzigartiger Gewissenhaftigkeit aus, so hatte er z. B. Getreide aufzukaufen, um einer Teuerung in Rom abzuhelfen. Dies gelang ihm ohne die Heimischen durch zu niedrige oder seinen Praetor durch zu hohe Preise zu verärgern. So entwickelte sich ein sehr gutes Verhältnis zwischen Cicero und den Sizilianern und er versprach ihnen für die Zukunft seinen Schutz. Als er schließlich nach Rom zurückkehrte, nahm er an, durch sein Gutes Schaffen in aller Munde zu sein, doch er hatte sich geirrt und wurde somit sehr enttäuscht, woraufhin er beschloss, in der Zukunft das Amt in der Provinz abzulehnen.
In den nächsten Jahren arbeitete er hauptsächlich als Anwalt und übte an seinem rednerischen Talent.
Anfang des Jahres 70 v. Chr. kamen die Sizilianer auf Cicero zu, um ihn um seine versprochene Hilfe zu bitten. Gaius Verres war 73-71 als Statthalter in der sizilianischen Provinz tätig gewesen. Er hatte das Volk gewaltig ausgenutzt und bis auf den letzten Tropfen ausgesogen. Doch die Sizilianer konnten erst mit dem Ende seiner Amtzeit einen Versuch unternehmen Verres zur Rechenschaft zu ziehen. Cicero willigte ein den Sizilianern zu helfen, womit er sich einen langwierigen Prozess ans Bein hängte. Doch mit Mut, Geschick und Energie gelang es ihm, dass der Angeklagte in die Verbannung ging, ehe das Urteil endgültig gefällt war. Mit diesem Prozess gelang Cicero der Durchbruch als Anwalt und Politiker.
Im Jahre 67 v.Chr. wurde Cicero zum Prätor für das folgende Jahr gewählt.
Zu den wichtigsten Aufgaben des Prätors gehörte das Richteramt und die Übernahme des Gerichtsvorsitzes.
Dieses neue Amt verdankte er nicht zuletzt seinem eindrucksvollen Auftreten im Verres-Prozess. Seine öffentlichen politischen Meinungen konnten ihm nun entweder Gegner verschaffen, oder ihm Vorteile bei seiner Wahl zum nächst höheren Amt, dem Konsulat, einbringen. Seine erste politische Rede als Prätor hielt Cicero in einer Volksversammlung. In der Rede trat Cicero für den Gesetzvorschlag ein, den Oberbefehl im 3. Mithridatischen Krieg Pompeius zu übertragen(4).

-Das Konsulat und die catilinarische Verschwörung-
Im Jahre 63 v.Chr. wurde Cicero gegen seinen Mitfavoriten Catilina zum Konsul gewählt.
Damit hatte er das Ziel seiner Anstrengungen erreicht. Doch das Konsulatsjahr nahm einen dramatischen Verlauf. Catilina (geb. um 108-62 v. Chr.), ein verarmter Patrizier, wollte sich mit der Niederlage nicht zufrieden geben und so plante er die „catilinarische Verschwörung“. Sein Ziel war es mit Hilfe seines Staatsstreiches an die Macht zu kommen und für sich und seine Anhänger einen Schuldenerlass durchzuführen. Doch der Putschversuch scheiterte, da seine Pläne aufgedeckt und Cicero informiert wurde.
Im Prozess um Catilinas Vergehen hielt Cicero seine berühmten vier catilinarischen Reden vor dem Senat. In der ersten Rede bat er Catilina den Senat zu verlassen.
In der zweiten Rede machte er Gebrauch von handfesten Beweisen, woraufhin Catilina und seine Mitverschwörer zu Staatsfeinden erklärt wurden. In der vierten Rede machte Cicero vor dem Senat deutlich, dass lebenslange Haft, wie Caesar sie für die Gesetzeswidirigen beantragt hatte, kein endgültiges Ende der Gefahren bedeuten würde. Anschließend beschloss der Senat einstimmig die Todesstrafe für Catilina und seine Mitverschwörer.
Während Catilinas Mitverschwörer in Rom verhaftet und hingerichtet wurden und Cicero als Retter Roms gefeiert wurde, konnte sich Catilina noch eine Weile in Etrurien halten, fiel jedoch zwei Monate später im Kampf.
Cicero war der Meinung, mit seinen Taten die starke Zerklüftung innerhalb der Bürgerschaft überwunden und dem gebrochenen Regierungssystem Bestand verliehen zu haben(6). Doch dies erwies sich bald als Illusion. Cicero kämpfte Zeit seines Lebens für die Staatsform, die „res publica“,- die gemeinsame Sache aller freien Bürger. Doch war die Senatspartei längst nicht mehr das, was sie sein sollte, sie war mittlerweile schwerfällig und festgefahren und bedurfte eigentlich dringend einer Neuordnung. So gilt Cicero als letzter Kämpfer, der für eine verlorene Sache eintrat(7). Mit Caesars Aufstieg änderten sich die politischen Kräfteverhältnisse und Cicero verlor mehr und mehr an politischer Geltung, trotzdem hielt er überzeugt an seinem Konzept fest.

-Exil und Politik im Dienste der Triumvirn-
Im Jahre 59 v. Chr. wurde Caesar zum Konsul gewählt. Cicero zeigte sich sehr enttäuscht gegenüber Caesar bei dessen rücksichtslosem Vorgehen im Bezug auf die Durchsetzung seiner Pläne. Caesar jedoch hatte Cicero Zeit seines Lebens mit viel Respekt hoch angesehen. Er beschloss den Redner auf seine Seite zu ziehen, aber Cicero zeigte kein Interesse und lehnte ab. Daraufhin beschloss Caesar mit seinen Anhängern Ciceros Widerstand zu brechen(8). So beschuldigten sie ihn, im Fall Catilina zu überhastet und ohne angemessenen Rechtsprozess gehandelt zu haben. Cicero wurde daraufhin 58 v. Chr. zum Exil gezwungen.
Nach einjährigem Aufenthalt in Makedonien wurde er vom römischen General Pompeius nach Rom zurückgerufen.
Wenige Wochen nach seiner Rückkehr erneuerten Caesar, Pompeius und Crassus das Triumvirat (lat.: Dreimännerbund), einen privaten Bund zur Durchsetzung ihrer Interessen(9). Sie beschlossen, Crassus und Pompeius sollten das Konsulat für das Jahr 55 v. Chr. übernehmen. Caesar sollte für weitere fünf Jahre Herr seiner gallischen Provinzen bleiben. In gewisser Weise war die Zeit der res publica mit diesem Beschlüssen endgültig abgeschlossen. So brachte dieses und auch die folgenden Jahre so manche Demütigung gegenüber Cicero mit sich. Doch er kämpfte überzeugt weiter für die res publica, widmete sich aber in der nächsten Zeit vermehrt der philosophischen Schriftstellerei und verfasste unter anderem die Schriften „Über den Redner“, „Über den Staat“, „Über die Gesetze“.
-Bürgerkrieg und der letzte Kampf um die „res publica“-
Eine gesetzliche Neuregelung führte dazu, dass man für die Provinzialverwaltung auf ältere Konsule zurückgriff. So musste auch Cicero - sehr gegen seinen Willen - im Sommer 51 v. Chr. nach Kleinasien aufbrechen, um dort die Provinz Kilikien (das südöstliche Küstenland) zu verwalten(10). Zuvor veröffentlichte er „de re publica“, so bekam er schon bald darauf von einem Freund die Nachricht, dass sein Werk in jedermanns Händen sei.
In Jahre 50 v. Chr. kehrte er nach Rom zurück, wo zuvor der Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius ausgebrochen war. Vergeblich versuchte er zwischen den beiden zu vermitteln und gab es schließlich missmutig auf. Er stand zwischen den Fronten. Auf der einen Seite war er Caesar vor seinem Kilikien-Aufenthalt näher gekommen und mit viel Respekt behandelt worden, auf der anderen Seite war es sich nicht sicher, ob Pompeius wirklich als Kämpfer der Senatspartei die res publica vertrat. Doch seiner Überzeugung nach schloss er sich Pompeius an und verbrachte fast ein Jahr im pompejanischen Hauptquartier.
48 v. Chr. unterlag Pompeius Caesar, dieser machte Cicero ein Bündnisangebot und begnadigte ihn.
Für Cicero setzte nun die zweite Phase seiner schriftstellerischen Fähigkeiten ein. Er verfasste unter anderem „Gespräche in Tusculum“ und „Über die Pflichten“, in denen er sich hauptsächlich mit der Erkenntnistheorie und der Theologie befasste.
Nach Caesars Ermordung im Jahre 44 v. Chr. trat Cicero an die Spitze des Senates. Er unterstützte Caesars Adoptivsohn Octavian, den späteren Kaiser Augustus, in der Hoffnung, die Republik wiederherstellen zu können, in dessen Machtkampf mit dem Konsul Marcus Antonius.
Cicero hielt Antonius für den eigentlichen Feind der Republik. Dies geht sehr deutlich aus seinem letzten Werk, den „Philippischen Reden“ hervor. Doch zwischen Octavian und Antonius kam es zur Versöhnung. Am 7. Dezember 43 v. Chr. wurde Cicero ermordet.
„Seine Sklaven drängten ihn zum Aufbruch und trugen ihn in einer Sänfte zum Meer. Als die Schergen herankamen, wollten seine Leute Widerstand leisten. Cicero untersagte es ihnen, er beugte sich aus der Sänfte und empfing den Todesstreich. Der Anführer des Kommandos hieb ihm das Haupt und die Hand ab mit der er die ‚Philippischen Reden’ geschrieben hatte und brachte beides befehlsgemäß zu Antonius. Dieser ließ Kopf und Hand an der Rednerbühne aufstecken, ein grässlicher Anblick für die Römer, die eher ein Abbild von Antonius Seele als das Antlitz Ciceros zu erblicken glaubten“(11)!

Schlussbetrachtung
Cicero wird einmal als letzter Kämpfer einer bereits verlorenen Sache bezeichnet. Zeit seines Lebens setzte er sich aus Überzeugung für Dinge ein. Aus dieser Fähigkeit heraus stammt vermutlich auch sein großes Talent als Jurist. Seine Schriften gehören zu den wichtigsten Dokumenten der damaligen Zeit Mich persönlich beeindruckt der starke Wille und der unerlöschliche Mut, der hinter Cicero zu stehen scheint.
Leider war es aufgrund der kurzen Zeitspanne nicht möglich, tiefer in das Thema einzusteigen, doch lässt sich eins mit Sicherheit sagen: die Biographie Ciceros ist mindestens genauso spannend wie ein guter Krimi!

Anmerkung
1. zitiert aus: Karl Büchner
2. „            “: Marion Giebel
3. „            “: „                  “
4. „            “: M. T. Cicero sämtliche Reden
5. „            “: Marion Giebel
6. „            “: M. T. Cicero sämtliche Reden
7. „            “: Marion Giebel
8. „            “: M. T. Cicero sämtliche Reden
9. „            “: Mayers Taschenlexikon
10. „            “: Marion Giebel
11. „            “: „                  “
(Seite 23)
(Seite 13)
(Seite 27)
(Seite 45)
(Seite 45)
(Seite 19)
(Seite 48)
(Seite 21)
(Seite 3526)
(Seite 81)
(Seite 135)


Literaturverzeichnis

  • Marcus Tullius Cicero: Sämtliche Reden Band l
    eingeleitet, übersetzt und erläutert von Manfred Fuhrmann
    Zürich 1970
  • Cicero
    Marion Giebel
    Hamburg 1977
  • Cicero
    Karl Büchner
    Heidelberg 1964
  • dtv- Lexikon Band lll
    München 1970
  • Geschichte der alten Welt
    Hermann Bengston
    Frankfurt a.M. 1989
  • Encarta Enzyklopädie (97)
  • Mayers Taschenlexikon Band Xl
    Mannheim 1996


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