Menschenfeind - Gott / Schöpfer
Interpreation Kapitel 24 bis 29: - Grenouille, der Menschenfeind - Grenouille im Vergleich mit Gott / Schöpfer

Grenouille ist gerade auf den Weg nach Orleans, als ihm bewusst wird, wie angenehm ihm die menschenfreie Luft ist. Je mehr er die Gerüche von Paris aus der Nase verliert, desto wohler fühlt er sich. Grenouille will seine frisch gewonnene Atemfreiheit noch nicht aufgeben. Als er Orleans schon von weitem wittert, umgeht er die Stadt. So zieht es ihn in abgeschiedenere Gegenden des Landes, bis er schließlich den Gipfel des Vulkans Plomb du Cantal, dem "menschenfernsten Punkt des ganzen Königreichs." (S.152) erreicht hat. Hier wird der Gegensatz des Vulkans und Grenouilles Geburtsort Paris durch die Superlative "allerstinkendster Ort" und "menschenfernster Punkt" zur Geltung gebracht.

Und wieder traut Grenouille seiner Nase nicht, sondern nimmt seine Augen zu Hilfe, um die Umgebung nach Menschen abzusuchen. Als er feststellt, dass er tatsächlich allein ist, empfindet Grenouille ein Glücksgefühl, wie zuvor in der Nacht, in der er seinen ersten Mord beging.
Grenouille entdeckt eine Höhle in 50 Metern Tiefe. Hier fühlt sich er sich sicher wie nie zuvor in seinem Leben, "schon gar nicht im Bauch seiner Mutter" (S.156). Er ist so gerührt, dass er vor Glück weint. Der indirekte Vergleich der Höhle mit dem Bauch seiner Mutter sagt aus, wie ungeliebt und ungewollt Grenouille von Anfang an war. Die Gefühle, die er im Mutterleib vermisste, fühlt er nun zum ersten Mal: hier in seiner Höhle.

In seinen Phantasienwelten, die sich Grenouille in seiner Höhle erträumt, wird er zum Schöpfer und Zerstörer seiner Welten. Hier sind Ähnlichkeiten zur Schöpfungsgeschichte festzustellen. Der größte Unterschied liegt in den Gründen ,aus denen der Schöpfer Gott und der „Schöpfer“ Grenouille handeln, ihre Werke vollbringen. Gott schafft aus Liebe, Grenouille schafft aus Größenwahn, was schon in seiner Namensgebung deutlich wird: der"Große Grenouille“, um sich selber zu beweisen was er kann:"Er stand auf, der große innere Grenouille, wie ein Riese stellte er sich hin, in seiner ganzen Pracht und Größe, herrlich war er anzuschauen - fast schade, dass ihn keiner sah! - und blickte in die Runde, stolz und hoheitsvoll: Ja! Dies war sein Reich! Das einzigartige Grenouillereich!" (S.160)

Ein anderer wichtiger Unterschied sind die Zeiträume, in denen die beiden Schöpfer ihr Werk vollenden und die Ergebnisse ihrer Schöpfung. Gott brauchte sieben Tage und schaffte die komplette Welt mit der gesamten Fauna und Flora, den Menschen und tausend anderen Dingen. Für uns Menschen sind diese Dinge sichtbar und greifbar.

Grenouille braucht nur einige Stunden zur Erschaffung seiner Duftwelt:"Es gab überhaupt keine Dinge in Grenouilles innerem Universum, sondern nur die Düfte von Dingen." (S.160). Diese Düfte sind natürlich nur von ihm auf so eine intensive Art und Weise (z.B. das Zerlegen eines Duftes in seine vielen einzelnen Fragmente) wahrzunehmen, kein anderer Mensch kann sich an ihnen erfreuen, wie man sich z.B. an Blumen oder Menschen, die von Gott erschaffen wurden, erfreuen kann.

Während wir Gott im Allgemeinen als bescheiden ansehen, kann Grenouille nicht darauf verzichten, sich als göttlich und groß darzustellen: „Und als er sah, dass es gut war und dass das ganze Land von seinem göttlichen Grenouillesamen durchtränkt war, ließ der große Grenouille einen Weingeistregen herniedergehen." (S. 161)

Sieben Jahre lang genießt Grenouille die vielen Szenen seines „Seelentheaters“ in seiner Höhle. (Die Zahl Sieben kennt man aus Märchen, wie zum Beispiel sieben Zwerge, die sieben Totsünden oder sieben Brücken, über die man zu gehen hat, sind den meisten Menschen ein Begriff.) Nichts kann ihn hier erschütten, nicht einmal der Krieg, der draußen herrscht. Grenouille ist entschlossen, die menschliche Existenz und Geschichte schlichtweg zu ignorieren.
Als er während einer Traumreise feststellt, dass er keinen Eigengeruch hat, erwacht Grenouille mit einem Schrei, muss jedoch erkennen, dass er die Wirklichkeit geträumt hat, er also wahrhaftig keinen eigenen Körpergeruch besitzt. Diese erschütternde Gewissheit bewegt Grenouille dazu, "noch in derselben Nacht den Plomb du Cantal in südlicher Richtung“ (S.176) zu verlassen.

Grenouilles Lebensabschnitt im Plomb du Cantal hat einen weiteren bedeutsamen Einfluss auf seine folgende Entwicklung. In den vorherigen und künftigen Abschnitten steht Grenouille der Menschenwelt gegenüber; hier wird er mit sich selbst konfrontiert. Aber erst die Abgeschiedenheit in der Höhle verhilft Grenouille zur eigentlichen Menschwerdung.




von Christoph Zinger


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