Französische Revolution - Umwälzung oder nicht?
Als eine Revolution wird eine oft gewaltsame und vor allem grundlegende Änderung der bestehenden politischen und sozialen Ordnung in einem Staat bezeichnet. Die bis dato als gültig anerkannten Gesetze werden somit durch neue ersetzt. Damit solch eine Umwälzung möglich ist, muss die Idee der Revolution viele Anhänger haben, die mit der gesamten Situation unzufrieden sind und sich gegen eben diese auflehnen und die Revolution somit herbeiführen.
So auch Ende des 18. Jahrhunderts in Frankreich.
Der von dem ersten und zweiten unterdrückte und ausgebeutete dritte Stand, der fast das ganze Volk ausmachte, forderte mit Hilfe von Gewalt eine grundlegende Änderung der bestehenden sozialen und politischen Ordnung, neue Gesetze und eine Verfassung.

Inwieweit diese sogenannte Revolution wirklich revolutioniert und umgewälzt hat oder Altes bestehen blieb, werde ich im Folgenden untersuchen.

Ein wesentlicher Gewinn der Französischen Revolution war die Verkündigung der Menschen- und Bürgerrechte, die am 27.8.1789 von den Abgeordneten der Nationalversammlung nach der gescheiterten Generalständeversammlung, dem Ballhausschwur am 20.6.1789 und dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 ausgerufen wurden und bis heute gelten. Sie veränderten das Leben der Bürger in vielen Bereichen, wie im Folgenden dargestellt wird.
Die Menschenrechte besagen, dass „alle Menschen von Natur aus gleich, frei und unabhängig sind, und gewissen, ihnen innewohnende Rechte haben, [...] namentlich handelt es sich darum, sich des Lebens und der Freiheit erfreuen zu dürfen, und dazu Eigentum erwerben und besitzen zu können und nach Glück und Sicherheit zu streben.“

Die verkündeten Menschenrechte besagten weiterhin, dass „die Menschen [..] frei und gleich an Rechten geboren [sind]“ (Artikel 1), was Napoleon in seinem Code Civil 1805 festigte. Dies bedeutete, dass es keine Klassifizierung in Stände mehr gab. Jeder Mensch durfte den Beruf ergreifen, den er wollte und alle Menschen, egal ob arm oder reich, hatten die gleichen Rechte vor dem Gesetz.
Dies beinhaltete auch das Wahlrecht, welches im 6. Artikel noch einmal differenziert formuliert wurde: „Alle Bürger haben das Recht, persönlich oder durch ihre Vertreter an […] [der] Gestaltung [des Gesetzes] mitzuwirken“. Dieses Wahlrecht wurde 1792 gefestigt, als Frankreich zur Republik erklärt wurde, die sich dadurch auszeichnet, dass die Menschen ihre Vertreter selber wählen dürfen. Dies bedeutete, dass die Idee der Nation, die während der Revolution entstanden war, in dieser Hinsicht durchgesetzt worden war. Die Menschen fühlten sich als ein Volk, für das sie durch das Wahlrecht Verantwortung übernahmen und über das sie eben durch dieses Wahlrecht mitbestimmen durften.

Vor der Französischen Revolution war das Amt des alleinherrschenden Königs vererbbar und die Menschen hatten keinerlei Einfluss auf ihren eigenen politischen Werdegang und den ihres Volkes.
Ein weiterer Gewinn für das Volk war die Gewerbefreiheit, die die Zunftordnung ablöste. Damit wurde eine industrielle Entwicklung möglich, da die Vorschriften der Zunftordnung wegfielen und neue, individuelle Ideen entwickelt und umgesetzt werden konnten.
Auch die Religionsfreiheit wurde in der Erklärung der Menschenrechte festgelegt: „Niemand soll wegen seiner Anschauungen, selbst religiöser Art, belangt werden […]“ (Artikel 10). Dies war insofern ein Gewinn, als vorher der Katholizismus für alle Bürger vorgeschrieben war.
Die Kirchengüter wurden verstaatlicht, sodass die Kirche an Macht verlor. Im Konkordat, der von 1801-1905 galt, wurde festgelegt, dass der Staat die Bischöfe ernennt und den Priestern den Treueeid gegenüber dem Staat bzw. der Verfassung abnimmt. Der Klerus als ehemaliger 1. Stand verlor seine Privilegien und seine Macht.

Die Steuerpolitik wurde, wie im 13. Artikel der Menschenrechte festgehalten, zugunsten der Bürger revolutioniert „[…][die nötigen Ausgaben des Staates müssen] auf alle Bürger, nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten, gleichmäßig verteilt werden“. Dieses neue Gesetz löste das alte System ab, nach dem nur der 3. Stand hohe
Abgaben an den 1. und 2. Stand leisten musste, die diese zum größten Teil sinnlos für ihr eigenes Vergnügen vergeudeten, was ein Hauptgrund für den Staatsbankrott 1788 war. Nun wurden die Steuern für das allgemeine Wohl in Form der „öffentlichen Gewalt und […] Verwaltungsausgaben“ (Artikel 13) eingesetzt. Diese öffentliche Gewalt unterlag nun nicht mehr der Willkür und dem Nutzen eines Monarchen, sondern hatte den Sinn, „Die […] Menschen- und Bürgerrechte [zu gewährleisten und] zum Vorteil aller [eingesetzt zu werden] und nicht zum nutzen derer, denen sie anvertraut ist“ (Artikel 12).

Diese Umwälzungen, die zur Freiheit, Gleichheit und Mitbestimmung der Bürger führten, wurden vor allem dadurch ermöglicht, dass das

Feudalsystem abgeschafft wurde. Die Bürger hatten während der Revolution erreicht, dass sie über ihren Monarchen Ludwig XVI eine derartige Macht hatten, dass der Zug der Frauen ihn am 5.10.1789 während einer Hungersnot zwingen konnte, von seinem prächtigen Schloss in Versailles nach Paris auszuziehen. Von dort aus sollte er, so wollte es das Volk, die Regierungsgeschäfte endlich vernünftig führen.
Dies wollte das Volk wiederum mit ihrem Ziel, der konstituellen Monarchie, gewährleisten. Doch Ludwig XVI floh im Juni 1791, was die Folge hatte, dass die Stimmung gegen ihn kippte. Das Volk bewirkte schließlich, dass er 1793 zum Tode verurteilt wurde, was die ungeheure Umwälzung der Staatsform verdeutlicht: Der frühere Alleinherrscher wurde aufgrund der nicht zureichend belegten Anschuldigung des Hochverrats getötet. Nach der Französischen Revolution gab es zwar wieder einen König, doch hatte dieser nicht die alleinige Macht und wurde kontrolliert.

Dies alles führte zu einer Gemeinschaft selbstständiger Staatsbürger, die ihre Regierung wählen durften, viele Freiheiten genossen und untereinander rechtlich gleichgestellt waren, was eine ungeheure, tief greifende Wandlung war.

Eine wirtschaftliche Gleichheit wurde jedoch mit der Französischen Revolution nicht erreicht.
Es ist aber eine Verschiebung auszumachen: Die Bauern, die ehemals dem 3. Stand angehörten, und der Adel verschmolzen zu der Bourgeoise, dem Besitzbürgertum, welches sich durch sein
Kapital am finanziellen Wohlergehen erfreuen konnte. Für die Bauern war dies ein großer Gewinn, da sie keine Abgaben mehr leisten mussten, für den Adel hingegen ein großer Verlust, da ihnen diese Abgaben nun nicht mehr zustanden. Außerdem musste der Adel nun, wie der Klerus, Steuern zahlen.
Die kapitallose Schicht des ehemaligen 3. Standes wie z.B. die Tagelöhner hingegen hatten wenig hinzugewonnen. Dadurch, dass sie nichts besaßen, hatten sie schlechte Chancen, wirtschaftlich aufzusteigen und mussten große Not leiden. Es herrschte also nach wie vor eine Hierarchie, zwar nun in Form von einer Klassengesellschaft anstatt einer Ständegesellschaft, aber nach wie vor gab es eine breite arme Schicht. Es gab mehrere Aufstände dieses Proletariats, um wirtschaftliche Gleichheit und Gerechtigkeit zu erwirken. Doch diesem stellte sich die Bourgeoise entgegen und so wurden die Aufstände mit Waffengewalt niedergeschlagen. Bereits während der Revolution hatte Robbespierre versucht, diese wirtschaftliche Gleichheit durchzusetzen. Doch diese war utopisch, da die bereits die Verfassung von 1791
die Garantie des Eigentums beinhaltete. Würde nun also eine wirtschaftliche Gleichheit durchgesetzt worden, hätte dies bedeutet, dass der Bourgeoise Kapital weggenommen werden müsste, da das Proletariat nicht über die finanziellen Mittel verfügte, dies käuflich zu erwerben.
Die Menschen durften zwar nun ihre Regierung selber wählen, wie in den Menschenrechten festgelegt war.

Doch es herrschte das Zensuswahlrecht, welches nur dem Besitzbürgertum erlaubte, zu wählen. Auch hier waren die unteren, armen Schichten benachteiligt und nicht berücksichtigt worden.
Doch in der Klassengesellschaft war es theoretisch möglich, sich in eine höhere Klasse hochzuarbeiten, was in der Ständegesellschaft fast unmöglich war. Auch staatliche Laufbahnen konnten von jedem Bürger beschritten werden, was zuvor nur dem Adel erlaubt war.
Die Gleichheit wirklich aller Menschen wurde auch unter einem anderen Gesichtspunkt nicht erreicht. Die Frauen hatten weiterhin keinerlei Rechte. Dies bedeutete, dass die Männer das volle Verfügungsrecht über ihre Frauen innehatten. Auch die Menschen- und Bürgerrechte galten für die Frauen nicht in vollem Umfang. Denn sie besagen, dass jeder Mensch das Recht auf Widerstand gegen Unterdrückung hat (Artikel 2) und dass alle Bürger ihre Vertreter wählen dürfen (Artikel 6). Dies galt jedoch nicht für die Frauen.
In dieser Hinsicht der Gleichheit wirklich aller Menschen – egal welchen Geschlechts und welchem wirtschaftlichen Stands – revolutionierte die Französische Revolution kaum etwas. Es herrschte nach wie vor eine Hierarchie. In den Menschen- und Bürgerrechten steht zwar geschrieben, dass alle Menschen von Natur aus gleich sind und die gleichen Rechte haben – doch war es Ende des 18. Jahrhunderts für die Bourgeoise das Zensuswahlrecht selbstverständlich. Vielleicht sahen sie sich als Vertreter des Proletariats, denn in den Menschen- und Bürgerrechten steht im 6. Artikel geschrieben: „Alle Bürger haben das Recht, persönlich oder durch ihre Vertreter an […] [der] Gestaltung [des Gesetzes] mitzuwirken“. Liest man als heutiger Staatsbürger, dem ein allgemeines Wahlrecht und Gleichbehandlung der Geschlechter selbstverständlich ist, diese Menschen- und Bürgerrechte, so wird man wohl zu dem Schluss kommen, dass die Französische Revolution für alle Schichten und Menschen absolute Gleichheit bewirkt hat. Doch zu dieser Zeit wurde zwar festgelegt, dass alle Menschen gleich waren, doch gemeint waren offensichtlich nur die Männer und in Hinsicht auf das Wahlrecht nur die Bourgeoise.

Die Französische Revolution brachte rechtliche Gleichheit für alle Bürger, die Macht verschob sich vom Adel zum Besitzbürgertum in Form von Wahlrecht und der Feudalismus wurde durch den Kapitalismus abgelöst. Eine absolute Gleichstellung für alle erbrachte sie jedoch nicht, da die wirtschaftliche Gleichheit nicht gewährleistet war. Zu den Verlierern der Revolution zählten also die Proletarier, die wirtschaftlich nach wie vor benachteiligt waren, die Frauen, die weiterhin keine Rechte hatten, der Klerus und der Adel. Die beiden Letzten verloren ihre Vorrechte. Zu den Gewinnern hingegen zählte das Besitzbürgertum, welches Einfluss zugestanden bekam.
Es handelte sich bei der Französischen Revolution also grundlegend um eine Revolution, die jedoch nicht alle Menschen berücksichtigte.






Quellenangaben:
„Lexibox 2“ Geschichte (DUDEN)
Zeitreise 2
dtv-Atlas Weltgeschichte
Aufsätze aus dem Unterricht


von Leoni


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