Friedrich Dürrenmatt: Der Richter und sein Henker
Dürrenmatt Buch

Friedrich Dürrenmatt,

Der Richter und sein Henker, Der Verdacht

Friedrich Dürrenmatts "Der Richter und sein Henker" ist ein in der Stadt Bern handelnder Kriminalroman.
Die Handlung wird in der Vergangenheit erzählt; oft mit Gegenwartsausdrücken wie "Auch sah er jetzt...", in kurzen prägnanten Sätzen, sowie einigen Sätzen mit vielen Nebensätzen. Nicht zu lange wörtliche Rede bringt Lebendigkeit ins Buch. Einige Male wird diese sehr gelungen von einem oder zwei Konjunktiv-Sätzen abgelöst, was den Leser nicht in der Geschichte versinken lässt, sondern ihm klar macht, dass er ein Buch in den Händen hält.
Entgegen den meisten Kriminalgeschichten weiß man nicht eben soviel oder mehr wie der Kommissar, sondern weniger, man muss den Kommissär Bärlach erst durchschauen, denn jede seiner Handlungen ist kühl berechnet. In dieser Geschichte geht es in der Hauptsache, wie man aber erst am Ende des Romans erfährt, nicht um die Aufklärung des Mordes an einem Polizisten, sondern um die Frage, ob man einem gewissen Herrn Gastmann seine Verbrechen nachweisen kann und ihm beweisen kann, dass das Böse nicht überdauert.
Der Leser richtet seine Aufmerksamkeit auf die Ermittlung des Mörders und stolpert vielleicht manchmal über scheinbar sinnlose Sätze oder Taten des Kommissär Bärlachs. Mit der Zeit fragt man sich, ob dies etwas zu bedeuten hat oder nur ein Akt der Verzweiflung ist: "Der Henker, den ich aussenden werde, wird heute zu dir kommen. Er wird dich töten, denn das muss nun eben einmal in Gottes Namen getan werden." An einer tödlichen Krankheit leidend scheint Bärlach total hilflos, er hat aber alles unter Kontrolle und zieht zur Verwunderung des Lesers die Fäden.

Dürrenmatt hat eine objektive Art zu erzählen: Ein Dorfpolizist möchte einem scheinbar Schlafenden in väterlicher Art die Hand auf die Schulter legen; "Er bemerkte jedoch im gleichen Augenblick, dass der Mann tot war." Dürrenmatt lässt den Polizisten nicht zusammenzucken, sondern überlässt es dem Leser sowohl selber zu erschrecken, als auch den Polizisten zusammenzucken zu lassen. Mit Lesen des ersten Satzes weiß der Leser, was für ein Stil ihn erwartet. Dürrenmatt beschreibt ausführlich, nennt den Namen eines in diesem Fall für den weiteren Verlauf der Geschichte unwichtigen Dorfpolizisten und erfordert viel Konzentration beim Lesen eines Datums und einer Ortsbeschreibung: "Alphons Clenin, der Polizist von Twann, fand am Morgen des dritten Novembers neunzehnhundertachtundvierzig, dort, wo die Straße von Lamboing (eines der Tessenbergdörfer) aus dem Walde der Twannbannschlucht hervortritt, einen blauen Mercedes, der am Straßenrand stand." Um so einfacher lassen sich die dann folgenden Sätze lesen.
Der Leser sucht einen Zusammenhang zwischen Einzelheiten und dem Mord, kann aber keinen finden und verwirft ihn, bis er am Ende herausfindet, dass die meisten Einzelheiten eng mit der Geschichte verknüpft sind.
Mit Leichtigkeit gelingt Dürrenmatt der Wechsel zwischen zwei Handlungsorten, womit er dem Leser die Freiheit lässt, selber mitzudenken.
Insgesamt ist die Geschichte auf das Wesentliche beschränkt. In ein paar Sätzen wird etwas zur Vorgeschichte des Kommissärs erzählt, es wird kurz erklärt, woher er Gastmann kennt. Bärlach hat eine schwere Magenkrankheit, die mit zunehmender Dramatik der Geschichte ebenfalls zunimmt. Kurz bevor er operiert werden soll, lässt er es sich richtig gut gehen. Seine Lebensaufgabe sieht er darin erfüllt, dass sein Feind Gastmann nun auch getötet wurde, jetzt muss er nur noch den Mörder seines Untergebenen zur Rede stellen; damit dem Leser die Geschichte aufgelöst wird. Bei einem privaten Essen mit dem Mörder isst er so viele verschiedene Speisen, dass man entweder ebenfalls tierischen Appetit bekommen müsste oder, wie es seinem Gegenüber ergeht, es einem schlecht werden müsste. Der Mörder bekommt Schweißausbrüche und ist total am Ende, als er im Laufe des weiteren Abends keuchend zu der Erkenntnis gelangen muss: "Dann waren Sie der Richter und ich der Henker".

Die Geschichte macht auf mich den Eindruck eines modernen Kriminalromans, verpackt in einem alten Gewand. Er vermag sich von anderen dadurch abzusetzen, dass er prägnante Bilder zeigt und deutlich macht (durch vereinzelten Konjunktiv und Wechsel zwischen persönlicher Rede und Erzählung), dass dies nur ein Roman ist. Dadurch komme ich nicht auf den Gedanken, das sei alles unrealistisch, sondern akzeptiere die Geschichte als solche. Dürrenmatt stellt die Hilflosigkeit dar. Seine Fortsetzung in dem Roman "der Verdacht" widmet er nur noch diesem Thema. Der kranke Kommissär Bärlach kommt einem Arzt auf die Schliche, der zur Zeit des Nationalsozialismus furchtbare Experimente durchführte. Einer merkwürdigen Eingebung folgend liefert er sich ihm unters Messer, bis er nur noch die Stunden, dann die Minuten und schließlich die Sekunden bis zu seinem vermeintlichen Tod zählen kann, der in letzter Sekunde doch abgewendet wird.
Die Hilflosigkeit ist packend und eine Qual.
Das "Happy End" ist in beiden Geschichten keinesfalls überzogen, es wird nichts aus dem Ärmel gezaubert.
So wie Kommissär Bärlach in "der Richter und sein Henker" die Hilflosigkeit kaltblütig berechnet, so baut Dürrenmatt beinahe jedes Detail in die Geschichte ein.
Eine recht kurze, trocken komprimierte und darum spannende Geschichte, die mir sehr gut gefallen hat.

- Be -


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