Selbstsicht, Verhältnis zum Vater/Frauen
Kafkas Selbstsicht und das Verhältnis zum Vater/ Frauen


Kafka schaffte es zeitlebens nicht, sich selbst und seinen eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Besonders im Vergleich mit dem Vater fühlte er sich psychisch und physisch unterlegen:
„Ich war ja schon niedergedrückt durch Deine bloße Körperlichkeit. (…) Ich mager, schwach, schmal, Du stark, groß, breit. Schon in der Kabine kam ich mir jämmerlich vor, und zwar nicht nur vor Dir, sondern vor der ganzen Welt, denn Du warst für mich das Maß aller Dinge. Traten wir dann aber aus der Kabine vor die Leute hinaus, ich an Deiner Hand, ein kleines Gerippe, unsicher, bloßfüßig auf den Planken, in Angst vor dem Wasser, unfähig Deine Schwimmbewegungen nachzumachen, die Du mir in guter Absicht, aber tatsächlich zu meiner tiefen Beschämung immerfort vormachtest, dann war ich sehr verzweifelt und alle meine schlimmen Erfahrungen auf allen Gebieten stimmten in solchen Augenblicken großartig zusammen.“ (Brief an den Vater)
Seine Versagensängste wurden nicht minder von der fehlenden Anerkennung seines Vaters und der dafür erfahrenen Kritik geschürt respektive aufrechterhalten:
"Je älter ich wurde, desto größer war das Material, das Du mir zum Beweis meiner Wertlosigkeit entgegenhalten konntest, allmählich bekamst Du in gewisser Hinsicht wirklich Recht. Wieder hüte ich mich zu behaupten, daß ich nur durch Dich so wurde; Du verstärktest nur, was war, aber Du verstärktest es sehr, weil Du mir gegenüber sehr mächtig warst und alle Macht dazu verwendetest." (Brief an den Vater)
Kafkas Wunsch nach Akzeptanz durch den Vater kommt auch in seinem Brief deutlich zum Ausdruck, denn er spricht keine direkten Schuldzuweisungen aus („Wobei ich Dich aber immerfort bitte, nicht zu vergessen, daß ich niemals im entferntesten an eine Schuld Deinerseits glaube“ Brief an den Vater), da er sich nie vollständig von seinem Vater und dessen Einfluss lösen könnte, während seine Schwester ihre eigenen Wünsche in Ehe und Beruf realisierte. Kafka fühlte sich von seiner liebevollen Mutter zurückgehalten. Sie machte die Quälereien des Vaters wieder wett: „Wenn schon Deine Erziehung in irgendeinem unwahrscheinlichen Fall mich durch Erzeugung von Trotz, Abneigung oder gar Haß auf eigene Füße hätte stellen können, so glich das die Mutter durch Gutsein, durch vernünftige Rede (sie war im Wirrwarr der Kindheit das Urbild der Vernunft), durch Fürbitte wieder aus, und ich war wieder in Deinen Kreis zurückgetrieben, aus dem ich sonst vielleicht, Dir und mir zum Vorteil, ausgebrochen wäre.“ (Brief an den Vater)
Kafka analysierte das Wesen seines Vaters und sein eigenes immer wieder, um Gemeinsamkeiten und damit verbundene Hoffnungen zu finden. Es war im zeitlebens nicht vergönnt, diese Beziehung mit der nötigen Distanz zu betrachten und sich von seinem Vater zu lösen.
Das Vater- Sohn- Verhältnis lässt sich ebenfalls aus seinen Erzählungen erschließen, womit die Rolle des Schreibens als essentieller Bestandteil seiner Lebensbewältigung und
-auseinandersetzung bestärkt wird. Denn nicht zuletzt war dies ein Gebiet, in welchem der Vater ihn nicht verfolgen oder gar bevormunden konnte.
Seine eigene Welt war die Welt des Schreibens, ein Ventil für seine Gedanken und Gefühle und aus diesem Grund weisen viele seiner Werke autobiografische Züge aus und beschäftigen sich mit den für Kafka all anwesenden Problematiken.
Wie schon genannt, bestimmte die schriftstellerische Tätigkeit auch seine zwischenmenschlichen Beziehungen, da ihm aufgrund dieser Art der Kommunikation die nötige Distanz, um sich dem anderen ganz und gar zu öffnen, gegeben war. Seine schriftlichen Zeugnisse treffen ebenfalls eindeutige Aussagen zu seiner Einstellung hinsichtlich der Ehe: "Heiraten, eine Familie gründen, alle Kinder, welche kommen, hinnehmen, in dieser unsicheren Welt erhalten und gar noch ein wenig führen, ist meiner Überzeugung nach das Äußerste, das einem Menschen überhaupt gelingen kann." (Brief an den Vater) Doch trotz dreier Verlobungen hatte Kafka keine dauerhafte Beziehung geführt.
Das Vorleben einer harmonischer Ehe seitens seiner Eltern übte einen immensen Druck auf den Sohn ein und anstatt dem Vater gerecht zu werden, hatte dieses Vorbild genau die gegenteilige Funktion, denn Ehe war für Kafkas Verständnis das Terrain des Vaters und somit für ihn unbetretbar.
Kafka hatte ebenfalls Angst davor, Verantwortung für andere zu übernehmen, da er schließlich nicht mal mit seiner eigenen Person zurecht kam. Obwohl er sich doch die Gemeinschaft mit anderen wünschte, fühlte er sich in Gegenwart sowohl fremder als auch vertrauter Personen unwohl, was nicht zuletzt auf seine sexuellen Ängste zurückzuführen ist:
"Der Coitus als Bestrafung des Glücks des Beisammenseins."
„Wenn ich mir Ekel erregen will, brauche ich mir nur vorzustellen, daß ich einer Frau den Arm um die Hüfte lege.“
Seinen letzten Rest der Freiheit in Form des Schreibens wollte Kafka durch eine Beziehung nicht verlieren und pflegte deshalb nur distanzierte Verbindungen in Briefform, denn er konnte sich über das geschriebene Wort bei gleichzeitiger körperlicher Distanzwahrung vollends öffnen.
Seine eigene Ansicht zur Ehe war wohl auch der Grund, weshalb er die Heirat seines engen Freundes Max Brod, welcher Kafkas Nachlass nach seinem Tod gegen dessen Wunsch veröffentlichte, der Nachwelt zugänglich machte und somit seinen Ruhm begründete, als Verrat ansah.


von Linda Krause


 Umfrage
"; $i=0; while(isset($varia[$i])) { $j=$i+1; echo "$varia[$i]
"; $i++; } echo ""; echo ""; $z=file($serverpath."umfrage/antworten".$umfragenr.".txt"); if ($ant!='') { $lvote=fopen($serverpath."umfrage/lastip".$umfragenr.".txt","r"); $lv=fgets($lvote,255); fclose($lvote); $ip=getenv("REMOTE_ADDR"); if ($lv!=$ip) { $z[$ant-1]=$z[$ant-1]+1; $datei=fopen($serverpath."umfrage/antworten".$umfragenr.".txt","w"); foreach ($z as $save) {fputs($datei,chop($save)."\n");} fclose($datei); $lvote=fopen($serverpath."umfrage/lastip".$umfragenr.".txt","w"); fputs($lvote,"$ip"); fclose($lvote); } } ?>

 


[nach oben]