Wohnverhältnisse
Gregors psychische Situation drückt sich in der physischen Beschaffenheit der Wohnung aus. Die Räume besitzen alle eine metaphorische, symbolische Bedeutung. (siehe Anhang 3)
Die Wohnung wird als eine für die gegenwärtigen Verhältnisse zu große, staatliche Wohnung beschrieben, Gregors Zimmer hingegen als ein zu kleines Menschenzimmer definiert. Es besitzt eine einfache Einrichtung: Bett und Tisch mit der Musterkollektion von Tuchwaren, einen Kasten mit Weckuhr, einen Stuhl und ein Kanapee- ein Symbol für du zunehmende Isolation Gregors, da er sich unter diesem verkriecht und mithilfe eines Leinentuchs, dessen Wortklang eher an ein Leichentuch erinnert, versteckt. Auf dem Schreibtisch prangt ein Bild mit einer Pelzdame- ein Wunschbild, ja unerreichbares Idol Gregors und zugleich ein Symbol für seine erotische Begierde, welche insbesondere beim Ausräumen des Zimmers aufgrund zweideutiger Formulierungen zum Vorschein kommt: „und presste sich an das Glas, das ihn festhielt und seinem heißen Bauch wohl tat.“
Dieses Bild stellt einen harten Gegensatz zu der abstoßenden äußeren Erscheinung Gregors da und auch eine Fotografie Gregors in Uniform steht im Kontrast zur pelzbekleideten, lasziv wirkenden Dame. Die vernünftige, mächtige Wirkung Gregors auf diesem Bild signalisiert seine äußere, bereits vergangene Macht, deren Symbolgehalt später durch die Uniform des Vaters wieder aufgegriffen wird.
Gregors Zimmer befindet sich im Zentrum der Wohnung und von diesem gehen drei Türen aus, vor welchen sich die Familienmitglieder nach der Verwandlung einfinden, um sich nach Gregors Befinden zu erkundigen. Mit nur wenigen Worten liefert Kafka an dieser Stelle eine präzise psychologische Charakterisierung der Personen: „(…) klopfte es vorsichtig an die Tür am Kopfende seines Bettes. (…) es war die Mutter.“ (S. 7; Z. 12f.) „(…) und schon klopfte an der einen Seitentür der Vater, schwach, aber mit der Faust.“ (S. 7; Z. 28ff.) „An der anderen Seitentür aber klagte leise die Schwester (…)“ (S. 7; Z. 32f.)
Schon zu Beginn der Erzählung wirkt Gregor somit von der Familie eingekreist, bedrängt und umzingelt. Die Türen sind jedoch verschlossen, was Gregor mit der Vorsicht eines Reisenden begründet. Es drängt sich jedoch eher die Vermutung auf, dass er sich von seiner Umgebung absetzen und schon vor der Verwandlung einen Panzer vor der Außenwelt schaffen will. Sein Wunsch nach Abgrenzung in einer ausweglosen Lage bestätigt das Gefühl, Gregor sei mitten in seiner Familie ein Fremder und würde auch dementsprechend behandelt.
Kafkas Zimmer lieferte hierfür die Vorlage, denn in einem Brief an Felice vom November 1912 schrieb er: „Die Mutter ging durch mein Zimmer als ich gerade nicht
darin war- mein Zimmer ist ein Durchgangszimmer oder besser eine Verbindungsstraße
zwischen dem Wohnzimmer und dem Schlafzimmer der Eltern […].“
Eine augenblickliche Veränderung der Wohnsituation ergibt sich mit dem Einzug der Zimmerherren: Diese speisen im Wohnzimmer, die Familie wurde in die Küche degradiert und die Wohnsituation scheint somit zunehmend beengender. Der geplante Wohnwechsel der Samsas bezeugt ihren sozialen Abstieg aufgrund finanzieller Verarmung und niederer beruflicher Stellung, da sie ihren früheren großbürgerlichen Status- demonstriert durch die Haltung eines Kindermädchens bei zwei Kindern- aufgeben mussten.
Die Bedeutung der Wohnverhältnisse für den gesellschaftlichen Status erfuhr auch Kafka, denn zahlreiche Wohnungswechsel der Familie waren begründet im Streben des Vaters, den sozialen Status äußerlich zu verbessern. In Armut aufgewachsen und schon als Kind zum Arbeiten gezwungen, arbeitete der Vater später hart und etablierte sein Geschäft als Großhandlung, um somit eine sichere soziale Stellung, Reichtum und einen gewissen Status zu erlangen und zu erhalten, wobei er seine Ziele stets mithilfe brutaler Ellenbogenmentalität und sturer Konzentration erreichte.
Die Situation für Gregor wird im Verlauf der Erzählung immer erdrückender und die Türen sind als die letzte Verbindung nach außen zunehmend geschlossen. Auch mit dem Blick aus dem Fenster auf ein Krankenhaus trübt sich Gregors Blick und verschließt ihm die Sicht nach außen. Des Weiteren stellt die Treppe ein zentrales Fluchthindernis für ihn dar: Der Prokurist nutzt sie nach der grausamen Entdeckung Gregors zur Flucht und auch die Zimmerherren werden beim Verlassen der Wohnung auf der Treppe erblickt, während ein Fleischergesell mit stolzer Haltung hinaufsteigt. Als die Familie Samsa erstmalig nach Gregors Tod geschlossen die Wohnung verlässt, wird die Treppe bereits nicht mehr erwähnt- sie stellt für sie kein nennenswertes Hindernis dar.
Die Raumsituation Gregors ist eine Situation der Gefangenschaft- nicht nur im Sinne von Reduzierung der Bewegungsfreiheit- sondern auch in Verbindung mit sozialer Isolation und Kommunikationsverlust- Thematiken, mit welchen sich Kafka zeitlebens beschäftigte und welche auch seinen persönlichen Verlauf nachhaltig bestimmten.
Der Umzug der Samsas nach Gregors Tod gleicht einem Identitätswechsel: „Die größte augenblickliche Besserung der Lage musst sich natürlich leicht durch einen Wohnungswechsel ergeben; sie wollten nun eine kleinere und billigere, aber besser gelegene und überhaupt praktischere Wohnung nehmen, als es die jetzige, noch von Gregor ausgesuchte war.“ (S. 50; Z. 28ff.) Die Familie schließt endgültig mit der Vergangenheit ab und hat Gregor bereits vergessen resp. verdrängt.


von Linda Krause


 Umfrage
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