Interpretation Blauer Abend in Berlin

Versuch einer Interpretation

Der Himmel fließt in steinernen Kanälen;
Denn zu Kanälen steilrecht ausgehauen
Sind alle Straßen, voll vom Himmelblauen;
Und Kuppeln gleichen Bojen, Schlote Pfählen

Im Wasser. Schwarze Essendämpfe schwelen
Und sind wie Wasserpflanzen anzuschauen.
Die Leben, die sich ganz am Grunde stauen,
Beginnen sacht vom Himmel zu erzählen,

Gemengt, entwirrt nach blauen Melodien.
Wie eines Wassers Bodensatz und Tand
regt sie des Wassers Wille und Verstand

Im Dünen, Kommen, Gehen, Gleiten, Ziehen.
Die Menschen sind wie grober bunter Sand
Im linden Spiel der großen Wellenhand.

Oskar Loerke beschreibt in einem Gedicht in Form eines Sonettes einen Abend in der Stadt Berlin, als seien die Häuserschluchten Kanäle:

Der Himmel fließt in steinernen Kanälen;
Denn zu Kanälen steilrecht ausgehauen
Sind alle Straßen, voll vom Himmelblauen;
Und Kuppeln gleichen Bojen, Schlote Pfählen

Im Wasser.

These: Der Himmel.
Loerke sieht den Himmel. Aus welcher Sicht betrachtet der Autor die Stimmung? Seine Sicht ist von unten, denn er könnte den himmelblauen Himmel nicht sehen, wenn er von oben auf die Häuserschluchten gucken würde, aber er scheint alles objektiv zu betrachten. Er sieht in einer Straße nach oben und entdeckt zwischen den steinernen Häuserwänden den blauen Himmel. Er denkt sich hinaus, jeder möchte gerne einmal aus seinem normalen Leben hinaus, weiter unten als „große Wellenhand“ bezeichnet. Er sieht Häuserkuppeln im Himmel, die er von schräg unten benennen kann und assoziiert sie mit Bojen. Fabrikschlote scheinen ihm Pfählen im Wasser zu gleichen.
Seine These für diese Strophe ist, dass die Häuser vom Himmel umgeben sind.
Die Bojen und Pfähle ragen aber schon ins Wasser und somit in die nächste Strophe:

Im Wasser. Schwarze Essendämpfe schwelen
Und sind wie Wasserpflanzen anzuschauen.
Die Leben, die sich ganz am Grunde stauen,
Beginnen sacht vom Himmel zu erzählen,

Gemengt, entwirrt nach blauen Melodien.

Antithese: Das Wasser.
Loerke sieht das Wasser. Er beobachtet die Abgase der Stadt und vergleicht sie mit Wasserpflanzen. Er redet von „Die Leben“ und meint damit die Menschen auf der Erde. Er meint auch sich selber, denn er sagt, sie würden vom Himmel erzählen. Die Leben haben eine enge Verknüpfung zu den beiden letzten Strophen:

Gemengt, entwirrt nach blauen Melodien.
Wie eines Wassers Bodensatz und Tand
regt sie des Wassers Wille und Verstand

Im Dünen, Kommen, Gehen, Gleiten, Ziehen.
Die Menschen sind wie grober bunter Sand
Im linden Spiel der großen Wellenhand.

Verbindende Strophen, Synthese:
Der Mensch, vom Wasser geführt, vom Himmel bekommt er die Gedanken.
Alles tanzt nach der Melodie des Himmels - oder des Wassers. Auch wenn blau in diesem Gedicht für den Himmel steht, denke ich doch, dass hierdurch eine Verbindung zwischen Himmel und Wasser geschaffen wird, da das Wasser ebenfalls blau ist, wenn auch durch den Himmel. Der Mensch bedarf sowohl des Himmels als auch des Wassers. Durch die Wellenhand wird der Mensch gelenkt und getragen, durch den Himmel gewinnt er an Perspektive.
Es geht dem Autor um eine Abwechslung vom Alltag, aber er bemerkt, dass ein grober Mensch, so verschiedene es auch gibt, noch vom Wasser geschliffen werden muss und dass es gut so ist.


Der letzte Satz einer jeden Strophe endet erst am Anfang der nächsten, bildet somit eine Überleitung und gibt das nächste Thema vor. Ein Beispiel eines solchen Satzes, bei dem das letzte Wort deutlich differenziert wird und sowie für die vorausgehende Strophe eine Bedeutung hat, als auch für die dann folgende:

„Und Kuppeln gleichen Bojen, Schlote Pfählen

Im Wasser.“

Nun befindet man sich im Wasser, wobei zu bemerken ist, dass der Autor ganz bewusst eine allgemeine Form gewählt hat, als sei es tatsächlich so, um den Leser besser teilhaben zu lassen. Das Wasser verbindet die Häuser und Schlote miteinander.

Die Sätze gehen in die jeweils nächste Strophe herein, um die Verbindung zwischen Himmel und Wasser deutlich zu machen.
Ginge man nur nach den Satzzeichen, so müsste das Gedicht wohl so aufgebaut werden:

Der Himmel fließt in steinernen Kanälen;
Denn zu Kanälen steilrecht ausgehauen
Sind alle Straßen, voll vom Himmelblauen;

Und Kuppeln gleichen Bojen, Schlote Pfählen
Im Wasser. Schwarze Essendämpfe schwelen
Und sind wie Wasserpflanzen anzuschauen.

Die Leben, die sich ganz am Grunde stauen,
Beginnen sacht vom Himmel zu erzählen,
Gemengt, entwirrt nach blauen Melodien.
Wie eines Wassers Bodensatz und Tand
regt sie des Wassers Wille und Verstand
Im Dünen, Kommen, Gehen, Gleiten, Ziehen.

Die Menschen sind wie grober bunter Sand
Im linden Spiel der großen Wellenhand.

Dann bekäme ich aber das Gefühl, dass ich mich nicht mehr im Wasser mit Blick auf den Himmel befände. [Nur warum? ;-) Man müsste das Gedicht noch anhand eines Beispieles besser erklären. Was meinst du?]

- be -


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