Vergleichende Charakterisierung Wagner und Faust
Der Wissenschaftler Dr. Faust der in dem Drama „Faust“ von J. W. Goethe auftritt, hat alle Fakultäten, die es damals gab, studiert. Hierbei handelte es sich um Philosophie, Jura, Theologie und Medizin. Sein Famulus Wagner ist sehr wissbegierig und möchte von Faust und aus Büchern lernen, um so klug zu werden wie sein Vorbild.
Faust ist jedoch mit seinem eigenen Wissen nicht zufrieden, er möchte mehr wissen, als die Wissenschaft aussagt und somit über das Erfassungsvermögen eines rational denkenden Menschens hinausgeht.
Im Folgenden möchte ich den Versuch unternehmen, die wesentlichen Unterschiede zwischen Faust und seinem Famulus herauszuarbeiten.

Faust macht sich Vorwürfe, weil seine Arznei zu Pestzeiten Kranke getötet statt geheilt hat, doch er wendet sich der Natur zu, um dort Ablenkung zu suchen.
Er sitzt mit Wagner auf einem Berg und betrachtet schwärmend die Abendsonne. Seine Bewunderung für sie wird deutlich, da er sie personifiziert und sie als Förderer des Lebens bezeichnet (Z.1072-74). Diese Bewunderung steigert sich in Sehnsucht, der Sonne zu folgen um die Stille und Ruhe der Abendsonne immer genießen zu können (Z. 1075 -76), ihren Lauf durch die Natur über Berge (Z. 1078, 1081), über das Meer (Z. 1082) zu erleben. Weiter bezeichnet er sie als Göttin (Z.1089).
Fausts Verbundenheit mit der Sonne wird hier sehr deutlich. Sie spendet ihm Trost, lenkt ihn von seinen schlimmen Selbstvorwürfen ab.

Dadurch, dass er die Natur im ganzen Drama immer wieder personifiziert (wie hier die Sonne, die Berge und das Meer) wird klar, dass sie für ihn keinen materiellen Wert hat, sondern er betrachtet die Naturerscheinungen als wirkende, geistige Wesen.
Wagner hingegen ist an der Natur nicht interessiert. Auf Fausts Schwärmerei und Sehnsucht nach der Sonne bezeichnet er als „grillenhaft“ (Z. 1100) und sagt, dass er schnell von der Natur gelangweilt sei (Z. 1102). Für ihn entsteht Schönheit und Lebensfreude in der für ihn sonst kargen Umwelt, wenn er Bücher liest (z. 1105-02). Der Himmel auf Erden ist es für ihn, wenn er ein altes, ihm gut erscheinendes Schriftstück liest. Ihm ist es sehr wichtig, gebildet zu wirken und benutzt so oft Zitate wie zum Beispiel von Hippokrates (Z. 558-559), um etwas zu äußern. Wagner ist also nicht bemüht, selber etwas zu entdecken und zu erforschen, sondern geht nur von dem Vorliegendem aus. So möchte er auch von dem von ihm um sein Wissen bewunderten Faust lernen (Z. 254). Wagners Lebenssinn besteht demnach darin, Bücher zu lesen und sich Wissen anzueignen, was andere Menschen (die Autoren bzw. Faust) erworben haben.
Faust hat dieses von Wagner angestrebte universelle Wissen bereits inne, trotzdem hat er bisher noch keine Antwort darauf gefunden, wie all diese Naturwunder entstanden sind. Ihn quält die Frage, „was die Welt im Innersten zusammenhält“ (Z. 382-83). Aus diesem Grund wandte er sich der Magie zu (Z. 377) und hoffte, dort eine Antwort zu finden. Außerdem bittet er die Geister um ein besseres Leben, einen Ausweg aus dem Konflikt, in dem er sich befindet. Er fühlt sich zwiegespalten (Z. 1112), ein Teil von ihm verlangt stark danach, sich den irdischen Freuden hinzugeben (Z. 1114), der andere drängt ihn, sich hier von zu lösen und sich der Geisterwelt zu überlassen (Z. 1117).

Da Faust alles studiert hatte, was möglich war, ist davon auszugehen, dass ihm alles bekannt war, was damals von der Wissenschaft erforscht worden war. Doch die Wissenschaft gab ihm keine Antwort auf seine Frage, also wollte er ihr selber auf den Grund gehen und sah eine Möglichkeit in der Magie.
Er ist in der Lage, Geister zu rufen, wie z.B. den Erdgeist (Z.460-513). Diese Fähigkeit, übermenschliche Wesen zu erfassen, wird auch deutlich, als er mit Wagner zusammen einen schwarzen Pudel auf einem Feld sieht, welcher sich später als Mephisto entpuppt. Faust merkt sofort, dass dies kein gewöhnlicher Hund ist: „Mir scheint es, dass er magisch leise Schlingen/ Zu künft’gem Band um unsere Füße zieht“ (Z. 1158-59). Hier erkennt Faust vielleicht auch schon die Gefahr, die von diesem Pudel ausgeht, da er von Schlingen spricht, die später zu einem Band werden, die der Hund um seine Füße windet. Wenn dieses Band um seine Füße geschnürt ist, wäre Faust gefesselt. Vielleicht ahnt er bereits die Unfreiheit, die ihm aufgrund des Paktes mit Mephisto widerfahren wird. In dieser Situation lässt sich Faust jedoch von Wagners rationalem Denken überzeugen, welcher der Meinung ist, es sich bei dem Pudel um einen gewöhnlichen Hund handelt. Dies ist eventuell ein Zeichen von Unsicherheit gegenüber seinen eigenen Fähigkeiten.
Trotzdem hat Faust hat eine sehr enge Beziehung zum Geisterreich. Vielleicht liegt es an seinem festen Glauben an die Magie, dass er Geister, gute wie böse, erkennen und mit ihnen kommunizieren kann.
Wagner hingegen hat keine Beziehung zur Geisterwelt. Er bezeichnet die Geister als Gefahr für die Menschen (Z. 1128), die die Menschen töten um selber zu leben (Z. 1132) und vortäuschen, gut zu sein, in Wahrheit jedoch lügen und falsch sind (Z. 1141). Als er mit Faust Mephisto im Körper eines Pudels entdeckte, merkte er im Gegensatz zu Faust nicht, dass es sich bei dem Hund nicht um ein Tier, sondern um einen bösen Geist handelt: „Ich sehe nichts als einen schwarzen Pudel“ (Z. 1156). Wagner dementiert nicht, dass es böse Geister gibt, er ist jedoch nicht in der Lage sie zu erkennen.

Faust ist also ein universell gebildeter Mensch, der nach noch Höherem strebt. Ihm reicht es nicht, zu lernen was andere erforschten, sondern möchte dies selber übernehmen. Seine Verbundenheit zur Natur, sein Glauben daran, dass jede Naturerscheinung einen geistigen Hintergrund hat und das festgestellte Versagen der Wissenschaft im Bezug auf seine Frage nach dem Kern der Erde bringen ihn dazu, sich der Magie hinzugeben. Er ist in der Lage mit Geistern zu kommunizieren, die erhoffte Erkenntnis bringt ihm dies jedoch nicht. Dies und seine widersprüchlichen Wünsche zum einen nach irdischen Freuden und zum anderen nach der Erkenntnis und dem Geisterreich lassen ihn verzweifeln.
Faust wirkt durch sein ständiges Hinterfragen, welches auch über Grenzen der wissenschaftlichen Erklärungen hinausgeht, sehr kritisch und eigenständig und strebt nach der Erkenntnis von Übermenschlichem, was vielleicht ein bisschen hoch gegriffen ist. Andererseits scheint er übermenschliche Fähigkeiten zu haben, da er zum Beispiel den Erdgeist rufen, sogar anziehen kann.
Der rational denkende Wagner kann die Unzufriedenheit Fausts nicht verstehen. Er strebt – ebenso wie Faust – nach der Erfassung von Gegebenheiten, jedoch entnimmt er das angestrebte Wissen Büchern und befragt Wissenschaftler wie Faust um einmal den gleichen Wissensstand zu erreichen. Weder mit der Natur noch mit dem Geisterreich kann er etwas anfangen und es ist ihm sehr wichtig, auf andere Menschen gebildet zu wirken.
Dies lässt ihn im Hinblick auf selbstständiges, kritisches Hinterfragen unselbstständig und eingeschränkt wirken, wobei er ein sehr strebsamer Mensch zu sein scheint, da er sich die von ihm als begehrenswert gehaltenen Wissenschaften fleißig aneignet (z.B. Z. 524). Seine stets gehobene, gebildete Ausdrucksweise und das demonstrative Präsentieren seines Wissens lassen eine leichte Arroganz vermuten und zeigt, dass er sehr auf sein Auftreten bedacht ist. Dass ihn die Natur, die ihn umgibt und aus der er selber stammt nicht interessiert und er alle Geister als böse bezeichnet lässt auf Ignoranz und vorschnelles Urteilen schließen.

Wagner ist noch dabei, sich das bereits Erforschte anzueignen, während Faust bereits über dieses Wissen verfügt und darin keine Befriedigung findet. Er strebt zu Höherem, Geistigen, während Wagner sich mit den Erkenntnissen der Menschen zufrieden gibt.


von Leoni


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